Villain - Only Time Will Tell

Die Band Villain umrankten viele Jahre lang Mythen und Legenden, wie es eigentlich bei allen raren US Metal Helden der Fall ist, die jemals ein Album in Kleinstauflage herausgebracht haben. Zusätzlichen Zündstoff erhielt eben jene Legendenbildung dadurch, dass die Band auf dieser Scheibe mit Carl "Ace" Albert auf einen Sänger in ihren Reihen wusste, welcher nach seinem Wechsel zu Vicious Rumors in Metalkreisen einen relativ hohen Bekanntheitsgrad genoss und weiterhin genießt. Auch Carls Tod dürfte den Kultfaktor Villains im nachhinein noch gesteigert haben.

Aber nun zur Musik, die in diesem Falle ausgesprochen hörenswert daherkommt. Das Album wird durch den in meinen Augen besten Song "Kamikaze" eröffnet. "Kamikaze" ist ein schneller uptempo Power Metal Song mit filigran gespieltem Riffing, ein Song der in ähnlicher Tradition steht, wie zum Beispiel "Hellraiser" von Vicious Rumors. Hier liegt auch das eigentliche Faszinosum dieser Platten, denn sie ist durchgängig in etwa dem gleichen Stil gehalten wie "Vicious Rumors" und "Welcome To The Ball", also high class Power Metal mit eingängigen Melodien und gekrönt von Carl Alberts unvergleichlich einprägsamen Stimme. An "Only Time Will Tell" wird klar, daß eben jener Carl Albert schon vor seinem Einstieg bei Vicious Rumors zu den besten Vokalisten gehörte, die der Metal Zirkus jeh hervorgebracht hat. Ein Mann mit unvergleichlicher Power und einem sehr eigenständigen Stil, der manchmal an eine Mischung aus Bruce Dickinson, Ronnie James Dio und einer Prise Goeff Tate erinnert. Die restlichen 6 Songs sind allesamt langsamer gehalten als der brachialer Opener, aber deswegen nicht wirklich schlecht, bei diesen Songs beweist Carl eben im speziellen das er selbst auf den ersten Blick eher bieder wirkende Rocker wie "Kids Of Crime", allein durch seine Vocals, nochmals im Niveau anzuheben vermag. Mit "Tie Your Mother Down" ist eine sehr ordentlich umgesetzte Queen Coverversion mit an Bord, während die man mit "She'll Make You Fall (In Love)" und "Just Close Your Eyes" sogar balladesque Töne anschlägt, was der Band im Grunde auch gut zu Gesicht steht. "Thrills In The Night" schließt dieses knapp 30 minütige Minialbum gebührend, will heissen mit einer ordentlichen Dosis Power, ab.

Alles in allem ein Album, das man, besonders als Fan von Vicious Rumors und ähnlich gearteten Bands kennen sollte. Eigentlich birgt "Only Time Will Tell", neben der etwas zu geringen Spielzeit, nur noch einen Makel in sich, es beinhaltet in meinen Augen zu viel midtempo Material, obwohl sich die Band beim schnellen Opener eigentlich am besten schlägt. Neben Carl Albert tauchte später auch noch Tommy Sisco im Line Up von Vicious Rumors auf, während Gitarrist Greg E. Noll früher mal bei Lääz Rockit gezockt haben soll. Wie dem auch sei, mittlerweile ist die einstmals höllisch rare Scheibe problemlos über Mausoleum Records zu bekommen, was es jedem ermöglichen sollte diese Kleinod in seine Sammlung zu stellen.

2005, Stormrider