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19. Mai 2010

Liebe Sacred Metaller!

Das Herz des Metals schlägt nicht mehr.

In meinen Anfangstagen als Metalfan war ich ein Listenfetischist – und ich muss zugeben, dass ich es noch heute liebe, Polls auszufüllen, mir über die besten Alben des Jahres 1983 Gedanken zu machen oder wöchentlich meine Jahrescharts upzudaten.

Damals, es muss so um 1987 oder 1988 gewesen sein, schrieb ich diese Listen noch fein säuberlich mit der uralten Schreibmaschine meines Vaters – an PCs oder gar das Internet war, lang lang ist’s her, damals noch nicht zu denken. Die besten Gitarristen, die tollsten Soli, meine Lieblingscover – ich klebte diese Listen an meinen Schreibtisch, dachte fast täglich daran und hielt sie immer auf dem neuesten Stand. Am allerliebsten waren mir schon damals die Sänger. Eine Person tauchte in diesen Listen immer auf, hatte aber nie die Pole Position inne, sondern musste Platz machen für Michael Kiske oder Bruce Dickinson oder Eric Adams oder John Arch. Bei diesem Sänger handelte es sich um Ronnie James Dio, dessen „Holy Diver“-Album ich Ende der 1980er für mich entdeckte.

Nun, am 19. Mai 2010, wache ich langsam auf aus dem wohl schlimmsten vorstellbaren Alptraum. Der 16. Mai 2010 wird als der Tag des größten Schicksalschlages, den die Metalwelt bis dato zu verkraften hatte, in die Geschichtsbücher eingehen. Ronnie James Dio lebt nicht mehr.

Dieser Mann hat „unser“ Genre, die Musik, für die wir fast alles tun würden, diesen Stil, der so viel mehr ist als „nur“ auf Vinyl oder CD gepresste Musik, revolutioniert, ja geprägt wie kein Zweiter. Ich entdeckte die Dio-Phase von Black Sabbath erst ein paar Jahre nach meiner „Holy Diver“-Sozialisation und noch später machte ich Bekanntschaft mit Rainbow. Aber auch und besonders bei diesen beiden Musiklegenden und natürlich mit seiner langjährigen Soloband machte Dio sich unsterblich und gemeinsam mit Mitstreitern wie Tony Iommi und Ritchie Blackmore erschuf und kreierte er das, was wir heute ehrfurchtsvoll Hardrock und Heavy Metal nennen. Seine Stimme verströmte eine einzigartige Magie, war kristallklar und kraftvoll, WAR schlichtweg DIE Definition des klassischen Metalgesangs. Und: sie war Grund für abertausende von Menschen dort draußen, ebenfalls ein Mikro in die Hand zu nehmen um es dem kleinen Mann gleichzutun.

Dio hat noch im letzten Jahr mit Black Sabbath, oder, wie man korrekterweise sagen muss: mit Heaven & Hell, ein phänomenales Album aufgenommen, welches nun sein voraussichtlich letztes Tondokument, sein Vermächtnis sein wird. Auch mit seiner Solokarriere hat er unzählige tolle Alben aufgenommen, auch scheinbar unterbewertete, spätere Scheiben wie „Killing The Dragon“, die oftmals bei den ersten drei Klassikern Dios unter den Tisch fallen, hatten immer einen gewissen Qualitätsstandard, den viele Musiker niemals erreichen werden.

Und während ich noch über den Schluss dieses kurzen, aber umso ehrlicher gemeinten Nachruf nachdenke, beginnt der letzte Song des unsterblichen „Mob Rules“-Meisterwerk von Black Sabbath. Überlassen wir die finalen Worte doch dem Meister selber, den niemand, NIEMAND unserer Leser und überhaupt keiner, egal ob Hardrocker oder Black Metaller, dort draußen je vergessen wird. Das vergiss auch du nie, Ronnie – may you be in Heaven or in Hell – und ewiger Dank für alles, was du uns hinterlassen hast. Mehr geht nicht.

Over and Over

Sometimes I feel like I'm dying at dawn
And sometimes I'm warm as fire
But lately I feel like I'm just gonna rain
And it goes over, and over, and over again, yeah

Too many flames, with too much to burn
And life's only made of paper
Oh, how I need to be free of this pain
But it goes over, and over, and over, and over again

Yeah, sometimes I cry for the lost and alone
And for their dreams that will all be ashes
But lately I feel like I'm just gonna rain
And it goes over, and over, and over, and over again


Michael Kohsiek