Jaguar - Power Games

Eigentlich bin ich ja nicht mehr der grosse NWOBHM Fan, denn mitlerweile finde ich, daß viele der sogenannten NWOBHM Klassiker über die Jahre, im Gegensatz zu den meisten US Metal Releases, doch erheblich an Glanz verloren haben. Es tut mir leid dies zu sagen, aber eine nicht unerhebliche Menge der damals im britischen Königreich gegründeten Bands klingen für mich in der heutigen Zeit viel zu angestaubt. Eine Außnahme von dieser Regel stellt Jaguar's "Power Games" da, ein Album was auch heute noch, trotz, oder vielleicht auch genau wegen seiner rauhen/kantigen Art sehr frisch klingt. Ausserdem gehört "Power Games" zu den schnellsten und härtesten Alben der damaligen Zeit. Obwohl es kurz vor einem Album mit dem Titel "Kill 'em All" veröffentlicht wurde, somit eigentlich zu den Veröffentlichungen gezählt werden muß, die den späteren Speed/Thrash Metal Boom einleiteten, wird "Power Games" in diesem Kontext allerdings viel zu selten erwähnt.  

Kompositorisch noch komplett im traditionellen NWOBHM sound verankert, schraubten die Jungs um den ausgesprochen guten Sänger Paul Merrel das Tempo allerdings bereits ungleich höher als ihre Landesgenossen, sodaß man unter den britischen Bands eigentlich nur noch Satan und Raven zu fürchten brauchte. Eine musikalisch ähnlich harte (oder gar noch härtere) Band wie Venom fällt als Vergleich weg, da ihnen die nötige Geschwindigkeit fehlte um mit Jaguar mitzuhalten, diesen machten Venom durch unglaublichen Diletantismus wett, aber das nur am Rande. Irgendwie erinnern mich manche Songpassegen ein wenig an die frühen Iron Maiden, wobei angemerkt werden muß, daß die Songs durchgehen simpler gehalten sind als bei den Eisernen Jungfrauen. Diese Simplifizierung war allerdings wohl auch notwendig, da Jaguar mit Garry Peppard nur einen Gitarristen in ihren Reihen hatten, was wie oben erwähnt allerdings keine Auswirkungen auf die Heavyness der Musik hatte. Allzu große Experimente ging die Band nicht ein, es dominieren schnell gespielte Brecher im Stil von "Coldheart" oder dem Opener "Dutch Connection", beim Song "Prisoner" würde ich sogar Vergleiche zu den rauh/punkig klingenden Werken von Exciter anstellen. Lediglich bei der akustisch eingeleiteten Halbballade "Master Game" gestaltete man das Songwriting etwas offener. Für mich stellt diese fehlende Komplexität allerdings in diesem Fall keinen Makel da, denn ab und zu hat ein Album was komplett nach vorne loß geht auch seine Berechtigung. Da auf "Power Games" ausserdem die Qualität der Kompositionen stimmt, gibt es wirklich keinen Grund sich über fehlende Abwechslung zu beschweren. Ein Album also, daß zum Zeitpunkt des Erscheinens andeutete, in welche Geschwindigkeitsbereiche man wenige Monate später vorstossen würde, eine Vorreiterrolle welche Jaguar allerdings leider nicht nutzen konnten.

Die Lyrics des eben erwähnten "Dutch Connection" stellen wohl eine Art Huldigung an die niederländischen Fans der Band da, ähnlich wie es später Satan (bzw. Blind Fury) in ihrem Song "Dynamo (There's A Place To Be)" auch taten, während die restlichen Songlyrics eher dem Metalstandart zu enstprechen scheinen. Einzig löbliche Ausnahme ist "The Fox" , in dem sich die Band gegen die in Großbritannien sehr verbreitete Fuchsjagd ausspricht - Bravo. Optischen Abschluss findet dieses Highlight der NWOBHM in einem Cover, das den Albumtitel simpel aber treffend umsetzt, also auch hier gaben sich weder das Label noch die Musiker eine Blöße. Rauh aber durchaus differenziert Produziert, was speziell damals wirklich nicht die Regel war, würde ich "Power Games" jedem Fan empfehlen ,der auf der Suche nach den Ursprüngen dessen ist, was man heute in den subgenres Power/Speed/Trash Metal zusammenfaßt, ich kann mir kam vorstellen das echte Metalfans von dieser Scheibe enttäuscht werden könnten.

Erwähnt werden sollte vielleicht noch, daß Neat Records die Scheibe im Jahr 1998 offiziell als CD veröffentlich haben. Mit "Axe Crazy", "War Machine" und "Dirty Tricks" finden sich auf dieser Neuauflauge noch 3 Bonus Track, die es ebenfalls in sich haben, und dem auf "Power Games" enthaltenen Material in nichts nachstehen. Solltet ihr die CD irgendwo aufgabeln können, greift zu - Klasse Teil.

2005, Stormrider