Mächtig stimmgewaltig eröffnet "Saruman" himself die neue EP der italienischen Klassik-Metaller - die Verpflichtung der britischen Schauspiel-Legende Christopher Lee geht einfach nur als Geniestreich durch. Hat die göttliche Erzählstimme Lees doch den Nebeneffekt, zur Not auch das Telefonbuch von Timbuktu aufstrahlen zu lassen, als sei es ein episches Erzählwerk aus dem frühen Mittelalter. Ergo können hier auch Luca Turillis (diesmal nicht ganz so) trashige Lyrix hier nix mehr ruinieren...
Der folgende Hammertrack "Unholy Warcry" ist denn auch dieser majestätischen Einleitung mehr als würdig. Eine Rhapsody-typische Speedhymne spielt sich da in Rekordzeit ins Metallerherz, gekrönt von einem Ohrwurmchorus allererster Güte sowie tatkräftiger Unterstützung durch allerlei Chöre sowie ein komplettes Prager Orchester. Dieser Song wird, das prophezeihe ich einfach mal, zu den ganz großen Klassikern der Band zählen!
Da braucht Song Nummero Zwo, "Thunder's Mighty Roar", trotz eines weiteren grandiosen Chorus schon etwas längere Anlaufzeit, was vor allem an Fabio Liones aggressiverem Gesang im Strophenpart liegt (think "When Demons Awake"!), der nun wirklich nicht die Stärke des Frontmanns repräsentiert. Bin ich froh, daß die Band dieses mal geplante Rhapsody-"Black Metal"-Projekt abgeblasen hat. Naja, ist der schwächste der neuen Songs und zu Recht zur "B-Seite" abgesempelt, aber dank des mega-bombastischen Chorus immer noch sehr hörenswert.
Wesentlich stärker weiter geht's mit "Guardians of Destiny", einer dieser typisch mittelalterlich angehauchten Balladen, wie sie schon lange in Trademark der Italiener darstellen. Feines Stück, vor allem der sehr dramatische Refrain, aber das absolute Highlight dieser EP kommt erst mit dem überragenden Zehnminüter "Sacred Power of Raging Winds" (no comment...) auf uns zu. Denn hier fährt das Quintett noch einmal ALLES auf, was die Band damals groß gemacht hat. Die Folk-Einlage glaube ich zwar so schon mal bei Nightwish gehört zu haben, aber dafür kommt der lange Klassik-Instrumentalpart um so gigantischer daher. Scheint so, als ob man auf dem kommenden Album nicht nur vom Titel her an den '98er "Symphony Of Enchanted Lands"-Meilenstein anknüpfen will. Ich kann das komplette Album jedenfalls kaum noch abwarten...
Ach ja, eine DVD liegt dem guten Stück ebenfalls noch bei. Neben dem Videoclip zu "Unholy Warcry" ist vor allem das kurze "Making Of" hochinteressant, in dem die Zusammenarbeit mit Herrn Lee dokumentiert wird und dem ich entnommen habe, daß Joey DeMaio (Manager der Band) erstaunlicherweise auch völlig normale Sätze von sich geben kann, daß Luca Turilli immer noch das kultigste Spaghetti-Englisch unter der Sonne spricht (mächtig sympathisch, der Mann!) - und daß Christopher Lee in der Rolle des Königs doch eine eindrucksvollere Figur macht als Götz Kühnemund...;-)
(c)2004, Ernst Zeisberger