Bedenklich biegt sich bereits das Brett, auf welchem das über die Jahre nicht unbeträchtlich gemästete, offizielle Sacred Metal-Phrasenschwein stoisch seinen Dienst versieht. Aber es hilft alles nichts, zum neuen Rage-Album muss zu Beginn wieder einer dieser ewigen Dauerbrenner aus dem Buche der bunten Besprechungsklischees antreten: Don't judge a book by its cover.
Letzteres (das Cover nämlich) markiert sogar in der wenig ruhmreichen Ragescher Plattenhüllengeschichte einen Tiefpunkt, der den verdutzten Reviewer mit der Frage zurücklässt, ob die sowas ernsthaft gut finden oder nur im Dutzend billiger bekommen. Nun gut, das war auf den letzten paar Alben auch nicht anders, insofern hat sich da nicht viel geändert - das aber kann man im musikalischen Bereich glücklicherweise nicht behaupten. Hier nämlich hat sich der Ruhrpott-Dreier mal wieder auf seine Stärken besonnen; ergo gibt es heuer keine deutschsprachige Lyrik, keine nervigen Experimente mit modern tönenden Riffs und all das, was die Band in jüngerer Vergangenheit so verzichtbar gemacht hat.
Stattdessen tischt uns das Trio durch die Bank hitverdächtigen, zumeist im Midtempo angesiedelten HM auf, der vor allem mal durch famose Chorusse besticht und lediglich durch die nach wie vor etwas zu verspielte Gitarrenarbeit von Victor Smolski daran erinnert, dass Meister Peavy die Hauptsongwriter-Krone längst auf ein anderes Haupt abgelegt hat - entstammt doch mit dem aggressiven "Purified" gerade mal noch ein Song ausschliesslich der Feder des Urgesteins. Und dass sich der weissrussische Wunderknabe an den sechs Saiten jetzt endgültig bei Rage eingelebt hat, belegen sowohl urtypische Klopper der "The Edge Of Darkness"-Liga als auch insbesondere das fünfteilige "Empty Hollow"-Werk, wohl der bisher vollendetste Crossover mit klassischen als auch progressiven Klängen in der Bandgeschichte (Wenn ich mich auch stets frage, ob das alles nicht viel eher gewürdigt würde, wenn Smolski bei einer "echten" Prog-Band zu Werke ginge.). Alle Achtung, das ging ihnen beileibe nicht immer so locker von der Hand wie hier.
Fazit: wenn Ihr aus den letzten zehn Jahren ein Rage-Album braucht, dann das hier. Mehr als solide.
(c)2010, Ernst Zeisberger