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Jon Oliva's Pain : Festival

Alle Achtung: Leicht hat es sich der ehemalige Savatage-Mastermind Jon Oliva mit seinem neuesten Werk sicher nicht gemacht. Sollte nämlich heuer noch jemand behaupten, dass es sich bei "Festival" lediglich um billige Savatage-Nostalgie handelt, so kann man wohl davon ausgehen, dass derjenige sich die Platte erst gar nicht angehört hat.

Sicher: die Vergangenheit kann und will ein derart markanter Songwriter wie Oliva nicht verleugnen. Mit dem stark bearbeiteten Remake von "Living On The Edge", einem u.a. schon als Bonustrack auf der Silver Edition von "Sirens" veröffentlichten Demosong aus der "Gutter Ballet"-Phase, oder dem in Grundzügen bereits zu "Streets"-Zeiten entstandenen Opener "Lies" bedient er sich durchaus auch wieder dieser glorreichen Zeiten. Wobei Abstriche kurioserweise noch nicht mal so sehr aufgrund der Tatsache, dass sein Bruder und Meistergitarrist Criss Oliva halt schon länger nicht mehr unter den Lebenden weilt, zu machen sind - ich sage es ein weiteres Mal, mit dem famosen Matt LaPorte hören wir abermals den besten Oliva-Sidekick seit dem viel zu frühen Ableben seines Bruders in Höchstform aufspielen! - allein die merkwürdig sterilen Backgroundchöre, die irgendwie auf 'ne völlig andere Platte zu gehören scheinen, vermiesen dem Rezensenten schon hie und da die Lust am virtuellen Höchstnotenverteilen.

Am gelungensten widmet sich der stimmlich längst wieder völlig überzeugende Jon lang vergangener Tage in Form der Wahnsinnsballade "Now". Hier sitzt der Meister wieder am ganz gross tönenden Piano und klimpert uns eines dieser melancholischen Meisterwerke, wie es auch auf einer "Streets" nicht negativ auffallen würde.

Der ruhigen Momente gibt es auf "Festival" zwar mehr, jedoch schlagen diese eine völlig andere Richtung ein. "Siebziger" ist das Stichwort, insbesondere an Led Zeppelin haben Jon Oliva's Pain offenbar den einen oder anderen Narren gefressen, was sich auf dem Vorgänger "Global Warning" ja durchaus schon andeutete. Im besonderen an deren mystisch-weltentrückte, zuweilen auch progressiv zu nennende Seite (also eher "Kashmir" als "Black Dog", gelle?) erinnert da ein über siebenminütiges "Winter Haven" etwa und liefert damit eines der Albumhighlights ab, während ich mir der Qualitäten des arg abgefahrenen, sehr sperrigen "Afterglow" auch nach x Durchgängen noch nicht 100%ig sicher bin. Time will tell.

Ebenfalls an die 70er, aber eher an das kanadische Weltklassetrio Rush, gemahnt hingegen der sinistre Titelsong. Ähnlich einem Kai Hansen widmet sich nun also auch Jon Oliva in nicht unbeträchtlichem Maße seinen Roots (John Lennon und die Beatles dürfen an dieser Stelle selbstverständlich auch nicht ungenannt bleiben, ein Songtitel wie "Peace" ist kein Zufall), wenn auch etwas subtiler. Für meinen Begriff auch absolut gelungen, aber ob die seit Jahren nach neuem Savastoff sabbernden Power-Gemeinde (für die es immerhin noch das mit militärischer Rhythmik brillierende "Death Rides A Black Horse" sowie das Dr. Butcher-kompatible "I Fear You" als Anspieltipps zu nennen gilt) das ähnlich sehen wird, wage ich aufgrund der Erfahrung der letzten Jahre zumindest mal anzuzweifeln. Von mir jedenfalls gibt es eine eindeutige Kaufempfehlung.

(c)2010, Ernst Zeisberger