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Manilla Road : Gates Of Fire

Über siebzig Minuten allerfeinsten Epic Metal bietet das neue Album der amerikanischen Kultmetaller. Feinfein, da hat man sich die Kritik an dem (rein quantitativ gesehen!) etwas mageren Vorgänger "Spiral Castle" offensichtlich zu Herzen genommen. Aber nicht nur ob der Fülle der CD gibt's hier Grund zum Jubeln: "Gates Of Fire" beweist mal wieder eindrucksvoll, weshalb die Band seit Urzeiten getrost zu den Göttern des Genres gezählt werden kann!

Neun neue Songs wurden hier frisch aus Wichita, Kansas eingeflogen, von denen jeweils drei eine Trilogie bilden, die sich allesamt mit Themen befassen, mit denen der Begriff "epic" fast schon synonym zu nennen ist. "Conan der Barbar" darf mal wieder herhalten ("The Frost Giant's Daughter"). Die Flucht des Aeneas aus dem untergehenden Troja und die darauffolgende Gründung des römischen Reiches behandelt der Mittelteil des Albums ("Out Of The Ashes"), und zu guter Letzt stehen wir mit König Leonides und seinen dreihundert Spartanern an den Thermopylen ("Gates Of Fire").

Wovon der "Conan"-Teil sicher der am leichtesten zugängliche ist. Der flotte Opener "Riddle Of Steel" erschreckt zwar erst mal durch argen Rumpelsound (der bei dieser Band aber schon fast irgendwie dazugehört), reiht sich dann aber nahtlos bei früheren Klasse-Eröffnern der "Metalstorm"-Liga ein. Positiv fällt hier sowohl der variable Gesang als auch das kraftvolle Drumming von Neu-Schlagwerker Cory Christner auf, das zuweilen federführender daherkommt als alles seit der Reunion. Da kommt durchaus schon mal "Open The Gates"-Feeling auf. "Behind The Veil" bietet darauf erst mal 'ne kurze Verschnaufpause - eine absolute Gänsehautnummer nach der Manier der akustischen Nummern der "Atlantis Rising" - bevor dann die überragende Midtempohymne "When Giants Fall" diesen Teil des Albums beschließt. Vor allem duch einen der stärksten Manilla Road-Chorusse ever besticht dieser Hammersong, wovon auch das augenzwinkernd angestimmte Zitat aus dem kultigen Evergreen"Flaming Metal Systems" nicht ablenken kann.

Bedeutend sperriger kommt die "Rom-Trilogie" daher, was die ausladenden Spielzeiten der einzelnen Songs schon vermuten lassen. "The Fall Of Iliam" mit seinen stolzen fünfzehn Minuten wirkt einerseits wie die logische Fortführung von "Spiral Castle"-Liedern (doomige Grundstimmung, exzessives Solieren von Mark the Shark), erinnert auf der anderen Seite aber auch an alte Epic-Classix wie "The Deluge" oder "The Ninth Wave". Meines Erachtens einer der besten Songs, den Shelton&Co. bisher auf Tonträger gebannt haben. Skeptischer hingegen stand ich zunächst den die Trilogie komplettierenden, eher schwerfällig ins Ohr marschierenden "Imperious Rise" und "Rome" gegenüber - aber kommt Zeit, kommt Kopfhörer, und siehe da, nach einiger Anlaufzeit zünden auch diese Nummern einigermaßen. Wobei zumindest dem Verfasser dieser Zeilen an dieser Stelle eine auflockernde Uptempo-Nummer nicht schlecht bekommen wäre.

Eine solche bietet nämlich auch die "Sparta-Trilogie" nicht, womit nahezu der komplette zweite Teil des Albums mehr oder weniger im Doom-Tempo vor sich hinschreitet. Aber was soll's, wenn da Songs von der Klasse eines "Stand Of The Spartans" oder des extrem hymnsichen "Betrayal" auf einen zukommen, soll mir das wurscht sein. Das absolute Juwel hat man sich allerdings für den Schluß aufgehoben. "Epitaph To The King" heißt es, gute zehn Minuten ist es lang, der Großteil davon akustisch und natürlich mit unvergleichlich beschwörender Stimme (ich nehme jetzt einfach mal an, von Mark himself. Wer weiß das heutzutage bei Manilla Road-Alben schon so genau?) vorgetragen, so daß man einfach nur noch von purer Magie sprechen kann. Nach wie vor einzigartig in der Welt des Metals - und damit ein ganz heißer Kandidat für das Album des Jahres.

(c)2005, Ernst Zeisberger