Erstaunlich, daß gerade dieses Album das Power Metal-Werk ist, das die Szene spaltet wie kein anderes, die neue Manowar mal ausgenommen. Aber wo das bei letzteren noch absolut nachvollziehbar ist (like it or not, aber ein Wagnis sind Joey DeMaio&Co. mit "Gods Of War" zweifelsohne eingegangen!), ließe ich "Framing Armageddon", der erste Teil der lange angekündigten "Something Wicked"-Saga, doch auch problemlos mit den Worten "im Westen nichts Neues" beschreiben.
Denn einerseits gehen die Mannen um Jon Schaffer auf dem zweiten Album der Ripper-Ära klar den Weg weiter, den sie auf dem Vorgänger "The Glorious Burden" eingeschlagen haben (minus dem unsäglichen "patriotischen" Bullshit, dem Himmel sei gedankt!), schauen aber dem Thema entsprechend (das Stargate-mäßige SF-Konzept des Doppeldeckers, dessen zweiter Teil im nächsten Jahr nachgeschoben wird) aber auch mal weiter in die eigene Vergangenheit, so daß aufmerksamen Hörern das Einflechten so manchen musikalischen und textlichen Motivs aus der ursprünglichen "Something Wicked"-Trilogie von 1998 nicht entgehen wird, und auch die aus diesen Songs bekannten orientalischen Einflüsse dürfen sich nach beinahe zehnjähriger Pause mal wieder im Bandsound breitmachen.
Das eigentliche Songwriting ist mit "business as usual" hinreichend umschrieben, und zumindest dem Verfasser dieser Zeilen fällt das auch nicht weiter übel auf, denn auch wenn ein Überstück wie "Waterloo" oder "Gettysburg" diesmal wohl fehlen mag, so besticht das Album als Ganzes doch durch die übliche Klasse, und mit der ersten Single "Ten Thousand Strong", dem hymnischen "Order Of The Rose" oder den aggressiven "Setian Massacre" und "Framing Armageddon" sind einige echte Highlights an Bord. Auch die beinahe zehnminütige Epic-Ballade "The Clouding" ist nicht von schlechten Eltern und sollte mit dem Mythos von Ripper Owens als gefühlskaltem Screamer kräftig aufräumen. Letztgenannter hat seinen einzigen Songwriting-Credit interessanterweise bei dem einen Song, bei dem so etwas wie Innovation nervös hinter der Pyramide hervorlugt: "The Domino Decree" integriert äußerst gelungen Deep Purple-artige Hammondsounds in den urtypischen Stil der Band - Experiment gelungen!
Lediglich von den doch arg großzügig eingestreuten Blind Guardian-Chören hätte es wegen mir etwas (ok, einiges!) weniger sein dürfen. Abgesehen davon jedoch ist Schaffer, Owens&Co. ein weiteres Klassealbum geglückt, das sich alle jene IE-Fans, die mit den jüngeren Entwicklungen kein Problem hatten, blind in die Sammlung stellen können.
(c)2007, Ernst Zeisberger