Mit
Worten wie Gott, Kult, Legende und wie sie nicht alle heissen wird in
dieser unserer Szene gerne und oft, böse Zungen mögen gar von
inflationär reden, gesprochen, aber wenn sich eine Band derartige
Ehrwürdigkeiten auf die Fahne schreiben könnte, dann doch wohl diese -
Heaven and...ach, reden wir Klartext, wir wissen doch alle, was hier
drinsteckt: Black Sabbath. Diese lagen
sträflicherweise seit 1995 und dem eher mittelmässigen
"Forbidden"-Album auf Eis und haben seither nur durch sage und schreibe
fünf neue Songs (zwei mit Ozzy, drei mit Dio) als mal mehr, mal weniger
gelungene Bonustrack-Kaspereien auf sich aufmerksam gemacht. Abgesehen
davon befand sich die Band schwer in Gefahr, zum eigenen Tribute-Act zu
verkommen.
Nun, das alles hat sich 2009 endlich
geändert. Könnte man sicher messerscharf kombinieren, dass es vor allem
der ewig junge Ronnie James Dio ist, der der komplett angetretenen "Mob
Rules"-Besetzung den nötigen Tritt den Hintern verpasst hat, so wird
schon nach dem Hören des anfangs etwas verhalten scheinenden, aber mit
jedem Durchgang um so magischer werdenden "Atom And Evil" (zum Auftakt
ein Doombrocken der Extraklasse!) glasklar, dass es sich hier um eine
geschlossene Mannschaftsleistung handelt, aus der vielleicht gar noch
eher der ewige Tony an der Gitarre am deutlichsten herausragt. Was der
Bursche riff- und vor allem auch solotechnisch auf dieser Platte
abzieht, ist schlicht und ergreifend nur als Überhammer zu bezeichnen
und vermag auch schon mal im Alleingang einen Song ein, zwei Ebenen auf
der nach oben offenen Wahnsinnsskala zu erheben.
Bestes
Beispiel: das anfangs "nur" solide erscheinende "Rock'n'Roll Angel" -
nach einer midtempolastigen ersten Hälfte, die auch auf den Dio-Soloalben
der letzten Zeit nicht weiter aufgefallen wäre, nimmt die Band
urplötzlich das Tempo heraus, Ronnie Dio stimmt eine Melodie mit
Instant-Gänsehautfaktor 10 an ("Perfect strangers in the dark...") und
das extrem gefühlvolle Solo, das Iommi nun aus seinem Sechssaiter
zaubert, ist einfach nicht von dieser Welt. Wann gab es das in dieser
Form zuletzt? Auf "Mob Rules" vielleicht, an die mich auch der dezente
Einsatz von Akustikgitarren, die dieses kleine Meisterstück
schlussendlich vollenden, etwas erinnert.
Was haben wir
sonst? Mit "Bible Black" mal eben so das vollendetste Metal-Epos der
letzten Jahre - aber das kennt ihr ja schon alle. Vor allem mit dem
monumentalen "Breaking Into Heaven" (aber auch das famose "Follow The
Tears" schlägt in diese Kerbe) mal einfach nur ein weiterer Beweis, an
welcher Formation sich geschätzte Fantastilliarden Doombands seit
öchzig Jahren die Zähne ausbeissen. Ganz gross, das. Mit dem
vergleichsweise schon fast "heiteren" "The Turn Of The Screw" hingegen
streifen wir schon beinahe Dio-Solomaterial. Da
bekommt man inmitten einiger wohlplazierter Selbstzitate einen
Eindruck, wie es hätte klingen können, wenn denn Tony Iommi auf "Holy
Diver" mit von der Partie gewesen wäre. Und, last but not least, hat
man auch die Anhänger der Geschwindigkeit nicht ganz vergessen:
"Neverwhere" und "Eating The Cannibals" mögen zwar nicht die
Ausnahmeklasse eines "Neon Knights" oder "The Mob Rules" erreichen,
machen diesen aber auch absolut keine Schande.
Nur eines
finden wir nicht auf "The Devil You Know": eine auch nur mittelmässige
Minute Musik. Erzählt mir nicht, dass das hier nicht mit "den guten,
alten "Heaven And Hell"-Tagen" mithalten kann - das weiss ich selber,
diese hatten aber auch beinahe dreissig Jahre Zeit, zur Legende zu
werden. Reden wir doch anno 2038 nochmal über "The Devil You Know" -
heute bleibt mir nur das grösste Kompliment zu machen, das ich kann:
dies ist das beste Album, das diese vier Musiker 2009 machen konnten.
(c)2009, Ernst Zeisberger