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Dio : Master Of The Moon

Leider doch einen deutlichen Rückschritt zum famosen "Killing The Dragon"-Vorgänger läßt "Master Of The Moon" erkennen, und der Grund liegt auf der Hand. Auch wenn Ronnie James es sicher nicht gerne hören wird, seine Platten sind immer nur so gut wie der Gitarrist, mit dem er seine Songs zusammen schreibt. Und Craig Goldy - da ist "Master..." nach "Dream Evil" und "Magica" bereits Beweisstück C - bringt den kleinen Sangesgott einfach nicht über gutes Mittelmaß hinaus.

Wobei es teilweise noch nicht mal am Songwriting mangelt - die epische Anti-Bush-Hymne "The Man Who Would Be King" beispielsweise ist ein kleines Meisterwerk, und auch der grandiose Titeltrack versprüht Unmengen an Atmosphäre, wie wir sie nur von Herrn Padavona kennen - sondern eher an der Umsetzung desselben. Wo ist die Power, wo die Dynamik? Wieso klingt das alles so schleeeeeeeppeeeend, warum tut man sich so schwer, die Geschwindigkeit einer durchschnittlichen Rudolf-Scharping-Rede zu überschreiten? Wieso erschlägt mich ein "One More For The Road" (Uptempo-Opener!) trotz ähnlicher Bauart nicht wie damals "We Rock" oder "Stand Up And Shout"? Oder auch nur die flotteren Tracks des oben genannten Vorgängers, dessen Wunderklampfer Doug Aldrich mir hier doch enorm fehlt?

Auf "Master Of The Moon" befindet sich, vielleicht mal abgesehen von dem doch arg standardmäßigen "Living The Lie", prinzipiell kein schlechter Song. Dio singt auch in vergleichsweise biblischem Alter nahezu die komplette Konkurrenz an die Wand - an seiner ausdrucksreichen Performance können sich auch potentielle "Nachfolger" wie Russell Allen oder Patrik Johansson nicht messen, ohne im Vergleich abzustinken. Auch die Band ist bestens aufeinander eingespielt. Wenn man nur mal etwas aus sich herausgehen würde, dann bin ich mir sicher, daß RJD jederzeit wieder zu einem Klassiker fähig wäre.

Was bleibt, ist ein gutes Album, das bei Dio-Fans, die an einer Mischung aus "Magica" (Epik), "Strange Highways" (Doom-Anklänge) sowie den ganz alten Sachen (Songwriting) interessiert sind, definitiv im Schrank landen sollte. Aber zumindest eine kleine Enttäuschung bleibt. Denn mal ehrlich: "gut" ist doch für Dio-Verhältnisse eine Beleidigung...

(c)2004, Ernst Zeisberger