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Biomechanical: Eight Moons

Was für ein krankes und gleichzeitig völlig geniales Debüt! Im hilflosen Schubladendenken habe ich Biomechanical einfach mal unter Progressive-Metal einsortiert - denn fortschrittlich ist es wirklich, was die fünf Briten hier eingespielt haben. Stellt euch vor, Rob Halford steigt bei Fear Factory ein, nimmt fix noch das (immer noch) aktuelle Zero Hour-Referenz-Album "The Towers of Avarice" als musikalische Standortbestimmung mit ("Jungs, so was will ich jetzt mit euch machen! Und widersprecht einem Metalgod nicht!"), um mal wieder ein richtig innovatives Metalalbum einzuzimmern. So in etwa klingen Biomechanical und doch tut man ihnen Unrecht, wenn man sie so abkanzelt. Hohe, aber dennoch variable Vocals, exzellent eingesungen von John K. (der schon bei Balance of Power zeigt, was er mit seinen Stimmbändern anstellen kann), brachiale Gitarren und elektronische Effekte verschmelzen, und ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben werde, zu einem galaktischen Klangerlebnis, das eigentlich ne Menge mehr Hörer verdient hätte. "The Awakening" beispielsweise hat nicht nur einen großartigen, eingängigen Refrain, sondern auch jede Menge ultra-fette, fiese Riffs, die nur noch von den Screaming Vocals of Hell übertroffen werden. So hart und böse wie Biomechanical mit "In the Core of Darkness" oder dem nachfolgenden "Distortet" waren Pantera zuletzt auf "Vulgar Display of Power"! Zugegeben: "Hunted" ist ein wenig anstrengend (man verliert bei aller Härte etwas den Faden), doch dafür entschädigt die schleppende Powerwalze "No Shadows" mächtigst.

Absolut grandios dann der Titeltrack, bei dem John K. richtig zeigen kann, zu was er fähig ist und dabei einem Geoff Tate in absolut gar nichts nachsteht. Gänsehaut versprechen bei diesem Song auch die eingestreuten Erzählerparts, die Orchestrierung und die Choräle - und alles in knappen sechs Minuten! Progressive Metal kompakt, sozusagen. Filmmusik kann kaum packender sein! Für mich der absolute Höhepunkt dieser Scheibe und schon alleine das Geld wert!

"Save Me" schließlich klingt wie eine Band des Jahres 2015, die alte Queensryche-Platten entdeckt hat. Auch hier zeigt das Quintett, wie wandelbar und abwechslungsreich es ist - stilistische Grenzen scheint es für sie nicht zu geben. Ist das nicht wirklich progressiv?

"Point of No Return" zeigt dann am Ende nochmal, zu was die Band fähig ist: akustisch, zahm und eingängig beginnt der Song, doch nach knappen 2 Minuten bricht das Inferno los: WatchTower on Thrash, All Hell Breaks Loose!. Kommerziell klingt was anderes...

Leider ist nach knapp 37 Minuten schon Schluss - aber Biomechanical haben in dieser Zeit alles gesagt und hinterlassen einen mehr als beachtenswerten Eindruck!

(c) 2004, Michael Kohsiek