Sonata Arctica : Silence
Lange,
sehr lange habe ich dieses Review vor mir hergeschoben. In der vagen Hoffnung,
daß das Zweitwerk der finnischen Newcomer wenigstens noch halbwegs zündet bei mir
– schließlich halte ich deren letztjährigen Erstling immer noch für eins der
frischesten Werke im Melodic-Speed-Sektor der jüngeren Vergangenheit, das zudem
weiland die arg in Routine erstarrten Stratovarius problemlos an die Wand
spielte. So unverbraucht und inspiriert hatten Tolkki&Co. zuletzt auf
“Fourth Dimension” gezockt.
Um so
enttäuschender nun “Silence” – mal abgesehen vom abschließenden “The Power Of
One”, das als über zehnminütiger Möchtegern-Keeper einige sehr löbliche Ansätze
zeigt, und dem ebenfalls eher unkonventionellen “The End Of This Chapter” ist
mir auch nach x Durchläufen nicht ein Song wirklich im Ohr geblieben.
Insbesondere die flotten Speed-Nummern tönen nunmehr, schon auf ihrem zweiten
Album, allesamt nach Schema X (vorgemacht von ihren großen Brüdern Stratovarius auf Alben wie
“Visions” oder “Destiny”) – alles zwar sehr nett gemacht, aber schon tausendmal
besser gehört. Gleiches gilt auch für Ballädchen wie “Last Drop Falls” – nicht
übel, aber diese Band kann wesentlich mehr!
Und da wir
dieses Jahr schon wesentlich stärkeren Stoff dieser Bauart zu hören bekommen
haben, ich nenne mal nur Freedom Call, Falconer oder das geile Avantasia-Projekt, kann ich
“Silence” wirklich nur Komplettisten und Speed-Alleskäufern ans Herz legen und
hoffen, daß man sich bis zum dritten, angeblich ach so entscheidenden Album
wieder fängt. Denn noch ein Werk mit der hier vorherrschenden Beliebigkeit
könnte der Band das Genick brechen.
(c)2001, Ernst Zeisberger