Sonata Arctica : Ecliptica
Melodic Speed Metal. Ein Genre, mit dem man jahrelang keinen Hund hinterm Ofen vorlocken konnte. Vor allem in den 90ern sah's übel aus - Helloween hatten wenig mit der 80er Band zu tun, Hansens Gamma Ray waren in iherer Experimentierphase, von anderen hörte man nur wenig (Heaven's Gate) oder das Falsche (Chroming Rose). Einzig Stratovarius' Zweitling "Twilight Time" und das Angra-Debüt ließen Grund zur Hoffnung. Seit dem Erfolg von Hammerfall anno 1997 hat sich das grundlegend geändert - leider ist die Szene im Moment mehr als ein bißchen überlaufen.
Um so größer ist die Gefahr, daß ein Klassedebüt wie das der Finnen Sonata Arctica im allgemeinen Veröffentlichungschaos untergeht - und das wäre definitiv zu Unrecht, steht das gute Stück doch in der Tradition der Debüt-Perlen dieser Stilrichtung. "Walls of Jericho", "Heading For Tomorrow", "Savage Poetry", "Soldiers of Sunrise", "In A Time of Blood and Fire" oder zuletzt das obergeile Sinergy-Debüt "Beware The Heavens" - sprich, alle Songs werden wunderbar unbekümmert rausgebrettert; technisch durchaus filigran, aber (noch?) nicht so glattgebügelt wie oft auf späteren Platten der genannten Bands.
Vergleiche? Klar doch! Sonata Arctica erinnern mich fast schon zu offensichtlich an die von mir am meisten geliebte Stratovarius-Phase, von "Twilight Time" bis "Fourth Dimension". Rühre hierzu noch 'nen Löffel kommerzielles Feeling im Stile der frühen Europe ("Wings of Tomorrow"/"The Final Countdown"), und der S.A.-Sound müßte ziemlich deutlich vor dem inneren Ohr entstehen. Wen es also wie mich stört, daß Stratovarius nach "Episode" irgendwann songwritingtechnisch auf Autopilot geschaltet haben und die guten alten Europe ganz allgemein vermißt, sollte schleunigst in den nächsten Plattenladen stürmen - denn die Jungs schreiben Hits ohne Ende (und nebenbei klingt Sänger Tony fast original wie Timo Tolkki). Erwartet nur nicht ernsthaft, irgendwas geboten zu bekommen, was die beiden genannten Bands nicht schon vor Jahren abgeliefert haben - Originalität ist hier Fehlanzeige. Das ist mir bei der hohen Qualität der Songs allerdings ziemlich Wurscht - die Scheibe macht einfach Spaß anzuhören...
Ein paar davon abschließend vielleicht noch als Anspieltip: "Blank File", "Kingdom for a Heart" (klassische Speed-Hymnen), "Full Moon" (wäre ein Highlight auf "Wings of Tomorrow"), die beiden Klasse-Balladen "Replica" und "Letter to Dana" sowie der "How Many Tears"-mäßige 7 Minuten-Rausschmeißer "Destruction Preventer" (Hammer!!!).
(c)2000, Ernst Zeisberger