Racer X: Technical Difficulties
Im Nipponland geht zur Zeit zwar statt Sonne der Yen
unter, nach wie vor gibt es aber fast jeden Monat
Metal-Tradition auf silbernen Scheibchen. Und schaut:
Mr. Big himself ist per Japan-Jet zu seinen Racer
X-Wurzeln zurückgekehrt. Auf "Technical difficulties"
(mit bescheuertem Cover; zu sehen ist ein im
Schwimmbad untergetauchtes, bekleidetes Nippon-Mädel
mit tragbarem Fernseher) lebt die Zeit des guten alten
Melodic-Metals der Achtziger wieder auf. In
so-gut-wie-Originalbesatzung (Paul Gilbert/Gitarre,
John Alderete/Bass, Jeff Martin/Vocals und Scott
Travis/Drums) hat man eine herrliches Teil
eingehämmert, auf dem es von purem Metal und Gilberts
Gitarrensaltos nur so wimmelt. Die Produktion von
Gilbert und der Mix von Tom Size lassen vor allem die
härteren Songs krachen ohne Ende. Die zwei oder drei
bluesigen Songs sind zudem sogar geniessbar; am besten
aber drückt man da die Skip-Taste, denn vom donnernden
Intro "Phallic tractor" (feiner Titel auch...) bis zum
rollenden Sabbath-Cover "Children of the grave" lautet
die Devise: Metal all the way!
Im Titeltrack sind keine technischen Schwierigkeiten
auszumachen; dieses Adrenalin-Instrumental mit
schleppendem Mittelpart eignet sich bestens dazu, mal
wieder gaaaaanz im Eighties-Stil das Band-Hotelzimmer
in Lego-Stückchen zu zerlegen. Der Überhammer heisst
"17th moon" und tönt wie eine Art Mischung aus Vicious
Rumors, Black Sabbath und eben Racer
X. Wem bei diesem
Song nicht der Schädel spaltet, sollte einfach aus
Metal-Land auswandern. Schwer und schleppend kommt
"God of the sun" daher (wo Sänger Jeff sich austobt)
und "The executioner's song" ist wieder melodischer
Metal, wie er variabler nicht sein könnte.
Ist jedes Stück an sich schon schwer in Ordnung,
Gilberts Soli sind eine wahre Freude und sein fettes
Rhythmus-Riffing hat unzählige Variationen und
Überraschungen parat. Das beste an der CD ist aber der
"Gesamtklang": es ist jedem Song anzumerken, dass man
beim einspielen einen Höllenspass hatte. Die Scheibe
vermittelt die positive Energie und den Enthusiasmus
vergangener Metal-Tage, als es darum ging, das Beste
aus sich herauszuholen, ohne den ganzen Businesskram,
ohne Kompromisse jeglicher Art und OHNE Leute die von
Rock 'n' Roll keinen blassen Schimmer haben. Um Joe
Perry zu zitieren: Let the music do the talking.
"Technical difficulties" ist eine fast rundum
gelungene Sache, für die die unzähligen
Möchtegern-Metal-Produkte der Stunde keine Konkurrenz
dastellen. Deshalb: einfach die 'zigste
HammerWeen-Kopisten-Scheibe im Regal stehen lassen und
die Euro-Pressung dieser CD herausnehmen. Da stimmt
die Perspektive wieder.
(c) 2000, Oliver Kerkdijk