Nightwish: Wishmaster
Hab' mir dieses Teil ohne vorher reinzuhören gekauft
und Mann, war das ein Fehler. Der Nachfolger vom
grandiosen "Oceanborn"-Album der FinnInnen ist die
Enttäuschung schlechthin - fast jeder Song macht den
suspekten Eindruck, unter Zeitdruck und in Abwesenheit
der Metalmusen entstanden zu sein. Viele halbgare
Ideen, einige guten Ansätze, holprige und
vorhersehbare Kompositionen, denen es an Dramatik und
Herz fehlt; das sind die leider traurigen Ergebnisse
nach mehrmaligem Durchhören. Da die Musikerkapazitäten
jeglicher Bandmitglieder ausser Frage stehen, entkommt
man nicht der Vermutung, hier wurde zu früh zuviel
gemacht und erwartet. Das wieder von Keyboarder/Texter
Tuomas Holopainen im Alleingang geschriebene Material
ist entnüchternd spannungsarm; nur in der
Eröffnungsnummer "She is my sin", im Titeltrack und im
schnellen "Crownless" schimmert das Potential dieser
Band durch. Das nächste Mal sollte die Truppe sich gut
überlegen ob man nach den schon dreimal vorher
vorgegebenen Schemata arbeitet und ob man jeden
halbfertig geschriebenen Song auch tatsächlich auf
einem Album verewigt. Und das Wichtigste: in einem
französischen Spezialitätenrestaurant bestellt man
keinen Pommes rotweiss - soll heissen: wenn man eine
Chanteuse wie Tarja Turunen in seinen Reihen hat,
bedarf es das entsprechende Songwriting. Alles andere
ist eine Devaluation, wie diese CD leider
dokumentiert. Und noch was: das beim letzten Mal schon
gehörig missratene Artwork hat mit dem Cover von
"Wishmaster" einen würdigen Kitsch-Nachfolger
bekommen. Bitte bei der vierten Platte ein Bild mit
Niveau oder ein Foto von Tarja, sonst kann ich mir ja
gleich einen weinenden Zigeunerbuben an die heimische
Wand hängen.
(c)2000, Oliver Kerkdijk