Blaze : Silicon Messiah
Nu aber! Ex-Iron Maiden-Sänger Blaze will wohl hinter seiner alten Band nicht zurückstehen und zeigt mit seiner ersten Solo-Scheibe eindrucksvoll, daß Harris & Co. mit seinem Rausschmiß zumindest einen herausragenden Songwriter verloren haben (wenn auch für mich Bruce Dickinson wohl immer DIE Stimme der Band bleiben wird). Und da diesmal das gesamte Material komplett auf Blazes Stimme zugeschnitten wurde - während bei Maiden trotz aller gegenteiligen Äußerungen einige Songs auf der "The X-Factor", besonders aber auf "Virtual XI", einfach nach einem Dickinson verlangten - kann er mich auch stimmlich vollkommen überzeugen. (Wer ihn bei Iron Maiden HASSTE, kann diese Kritik trotzdem locker übergehen.)
Mutigerweise startet Blaze seine Platte mit drei der sperrigsten Songs, die zudem noch durch ein loses, düsteres SF-Konzept zusammengehalten werden. Wenn auch das Riffing hier zunächst etwas durchschnittlich wirkt (da zu modern und abgehackt klingend), so wachsen diese Songs doch mit jedem weiteren Durchgang, und gerade der Titeltrack und das von einem klasse Chorus gekrönte "Ghost In The Machine" entpuppen sich als echte Highlights.
Danach geht's eh wesentlich traditioneller weiter, und mit Ausnahme des eintönigen "The Hunger" finden sich eigentlich nur noch Songs, die auch mühelos in ähnlicher Form auf den "X-Factor" gepaßt hätten, sei es das schnelle "The Launch" (erinnert mich etwas an "Man On The Edge"), der von einem Helloween-ähnlichen Part eingeleitete Ohrwurm "Born As A Stranger" oder getrageneres, verdammt düster ausgefallenes Material wie "Identity" oder "Reach For The Horizon". Absolute Höhepunkte jedoch die knallende Midtempo-Hymne "The Brave" sowie der das Album beschließende, epische Megatrack "Stare At The Sun", mit denen Blaze zumindest zwei All-time-Hits erschaffen hat, die Iron Maiden wohl auch nicht besser hingekriegt hätten.
Nebenbei lobend erwähnt sei noch die druckvolle, erstklassige Produktion von Andy Sneap (wie wär's eigentlich mal wieder mit 'ner Sabbat-Platte, Andy?), bei der ich mich ständig frage, wie "The X-Factor" auch hätte klingen können. Den müden Harris-Sound der letzten zwei Maiden-Alben schlägt der Mann jedenfalls um einige Längen.
Fazit: Erwartet kein Album von der Klasse einer Maiden-Scheibe, aber mit den Alleingängen der meisten (Ex-)Musiker aus Steve Harris' Truppe (z.B. Killers, Bruce Dickinson, Psycho Motel...) kann Blaze locker mithalten, Dickinson's letztes Hammeralbum "Chemical Wedding" mal ausgenommen. Blaze-Fans greifen natürlich sowieso zu.
(c)2000, Ernst Zeisberger