John Arch : A Twist Of Fate

“I open my eyes – was that real or was I dreaming?”

 

Manchmal ist die Ewigkeit kürzer als man denkt. Nachdem John Arch im Jahre 1986 mit „Awaken the Guardian“ das nach Meinung des bescheidenen Verfassers dieser Zeilen beste Album aller Zeiten einsang stieg er aus und sorgte mit diesem Schritt dafür, dass Fates Warning ein neues Gesicht und eine neue (musikalische) Identität bekamen. Siebzehn lange Jahre, in denen er Angebote von so unterschiedlichen Bands wie Dream Theater, Mystic Force oder WatchTower ausschlug, tauchte Arch vollständig ins Privatleben ab und nicht wenige dachten beim wehmütigen Abspielen der leider nur drei Scheiben, die er mit seiner Stimme veredelte, ihn für immer verloren zu haben. Doch nun ist das unfassbare tatsächlich eingetreten!

 

Eine der originellsten Stimmen, die die Musiklandschaft je hervorgebracht hat, ist zurück – und zwar in einer Form, die selbst die größten Zweifler mit offen stehenden Mündern zurücklassen sollte.

 

„A Twist of Fate“ besteht zwar „nur“ aus zwei Songs, die aber zusammen fast die 30-Minuten-Grenze erreichen. Und auch in dieser vergleichbar kurzen Zeit bauen sich Emotionen auf, die ich in dieser Reichhaltigkeit lange nicht gespürt habe. John Arch ist stimmlich nicht nur auf dem exakt (und damit meine ich EXAKT im Sinne von E.X.A.K.T.) gleichen ohne-Worte-Niveau, auf dem er Fates Warning verlassen hat – auch die beiden überlangen neuen Songs „Relentless“ und „Cheyenne“ sind abwechslungsreiche, unvergleichliche, mit teilweise wirklich glanzvollen Melodien ausgestattete Meisterwerke ohne jegliche Schwäche geworden. Eingespielt wurde „A Twist of Fate“, das hoffentlich nur der Vorbote für ein komplettes Album ist, von drei Weltklassemusikern (Mike Portnoy, Dream Theater, an den Drums, Jim Matheos, Fates Warning, an der Gitarre und Joey Vera, überall, am Bass), weshalb an der musikalischen Brillanz ebenfalls rein objektiv nichts zu rütteln ist. Deshalb bleiben mir nur zwei Dinge: eine tiefe, imaginäre Verbeugung vor einem der größten und einflussreichsten Sänger der Progressive-Metal-Szene, der nun seinen unzähligen Nachahmern zeigt, wie man auch heute noch unvergängliche Musik erschaffen kann, und die Frage, was denn um Himmels willen dieses Jahr noch besseres erscheinen kann?

(c)2003, Michael Kohsiek

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