Sigh

Schreibt euch die Finger wund über das große Thema "Metal" - über neue Platten, neue Bands, Konzerte etc.

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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 18. März 2014, 20:05

Acrylator hat geschrieben:
Ich finde auf jeden Fall, dass die "Hangman's Hymn" halt gut ins Ohr geht, nicht wehtut, aber für Begeisterungsstürme tatsächlich trotz der verschiedenen Elemente zu "gewöhntlich" klingt. Zumindest, wenn man das mal auseinandernimmt und nur die Klassikparts und die Metalelemente für sich betrachtet, sind das halt eher gewöhnliche Sachen, nur das die vielleicht vorher noch niemand so zu zusammengefügt hat. Es klingt für mich allerdings auch andererseits über weite Strecken so, als ob da einfach zwei Bands (bzw. eine Metalband und ein "Orchester") zugleich spielen, richtig homogen oder originell miteinander verwoben wirkt das für mich nicht.

[...]

Aber ich werde mich auf jeden Fall noch mal mit [...] dem vorletzten Album beschäftigen.

Ich verstehe, was Du meinst. Die "Scenes from Hell" solltest Du Dir unbedingt noch zu Gemüte führen, denn da fügen sich die Metal- und Klassikparts meiner Meinung nach absolut homogen zusammen.

Edit: Es sei noch gesagt, dass SIGH schon immer anders als andere japanische Bands waren und die Stilmixturen niemals Selbstzweck sind, um möglichst "anders" zu klingen, sondern wie schon geschrieben der jeweiligen Gefühlslage der Band entsprechen, die Einflüsse und Musikinstrumente werden so ausgewählt, dass sie die Visionen, die sie vertonen möchten, adäquat komponiert werden können.
:ahasoso:

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Re: Sigh

Beitragvon Ulle » 18. März 2014, 20:32

Wobei ich denke, dass das jede Band von sich behaupten würde, die das macht :lol:
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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 18. März 2014, 20:36

Ulle hat geschrieben:Also "Sleepytime" hab ich in den letzten paar Jahren schon oft erwähnt, aber eine Resonanz kam da nicht wirklich :lol:
Das würde dann natürlich wieder in den Prog-Thread passen, aber da kommen eigentlich auch nur Reaktionen zu Bands, die eher leicht genießbar sind. Ich glaube also, da ist das Board hier einfach nicht der richtige Platz - und das ist ja nicht schlimm.

Univers Zéro, Present, Thinking Plague usw. werden allgemein als RIU (Rock-In-Opposition) bezeichnet, eine Stilrichtung die so Mitte/Ende der 70er langsam hochkam. Die Bands haben eben Rock, Jazz und teilweise auch Kammermusik vermischt, klingen oft sehr düster und sind wirklich nicht so leicht zu knacken. Wenn der Begriff Avantgarde in der (noch) Rockmusik angebracht ist, dann wohl da.

Ich denke jetzt aber nicht, dass das großartig jemanden interessiert, wenn man bedenkt, dass selbst King Crimson (mit Ausnahme des ersten Albums) oder Zappa hier kaum Publikum finden.
Stöber aber einfach mal etwas, es gibt massig Informationen im Web.

SGM ist für mich eine der interresantesten Bands des neuen Jahrtausends und das Konzert, welches ich 2007 besuchen durfte, hat sich auch nachhaltig in mein Gedächtnis eingebrannt. Die sind natürlich neuer, frischer, härter als die RIU-Bands, klingen total eigenwillig, manchmal überfordernd, manchmal zum Sterben schön.

Hier mal ein eher kommerzieller Song, der sogar richtig metallische Phasen hat, was bei der Band aber die Ausnahme ist:




Und hier mal die schöne(re) Seite:


Habe mir beide Songs mal angehört und muss sagen, dass es bei dem ersten Lied einige Passagen gibt, die mir supergut gefallen, dagegen auch einige Parts, die mich ziemlich nerven. Das ist stellenweise für mich einfach dieses typische "Prog"-Riffgeschiebe, das ins Nirwana führt und mir zuwenig auf den Punkt gespielt ist, als müsste man unbedingt 452 Breaks in den Song einbauen. Das zweite Lied ist definitiv auch interessant gemacht, konnte mich aber nicht wirklich berühren.

Mir ist auch klar, dass so eine Art Musik mehr Zeit braucht und man sich auch da mal ein komplettes Album anhören muss um dahinerzusteigen. Wie gesagt, da mir einige Stellen wirklich gut gefallen, merke ich mir die Band mal und probiere es bei einer sich bietenden Gelegenheit mal mit einem Album.
:ahasoso:

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Re: Sigh

Beitragvon Ulle » 18. März 2014, 21:38

Der erste Song ist quasi die Single und eigentlich das einzige Stück, welches überhaupt in diese riffige Richtung geht. Dass gewisse Parts nerven kann ich übrigens komplett nachvollziehen. Ist aber Teil der Band und tatsächlich ein nicht mehr wegzudenkendes Element, wenn man SGM erst einmal verinnerlicht hat.

Ich würde in jedem Fall zu einem ganzen Album raten und locker mal 20 Durchläufe riskieten, bevor man sich eine erste Meinung bildet. Der Weg ist aber hart und steinig. Man findet zwar immer mal wieder schöne Melodien, nur wiederholen die sich eigentlich nie.

In der Tat wirklich äußerst anspruchsvolle Kost. Die meisten Instrumente sind übrigens selbst gebastelt :-)
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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 18. März 2014, 22:02

Ulle hat geschrieben:Der erste Song ist quasi die Single und eigentlich das einzige Stück, welches überhaupt in diese riffige Richtung geht. Dass gewisse Parts nerven kann ich übrigens komplett nachvollziehen. Ist aber Teil der Band und tatsächlich ein nicht mehr wegzudenkendes Element, wenn man SGM erst einmal verinnerlicht hat.

Ich würde in jedem Fall zu einem ganzen Album raten und locker mal 20 Durchläufe riskieten, bevor man sich eine erste Meinung bildet. Der Weg ist aber hart und steinig. Man findet zwar immer mal wieder schöne Melodien, nur wiederholen die sich eigentlich nie.

In der Tat wirklich äußerst anspruchsvolle Kost. Die meisten Instrumente sind übrigens selbst gebastelt :-)

Ja, habe mir eben mal den Wikipedia Eintrag durchgelesen. :smile2: Das klingt schon nach 'nem sympathischen und interessanten Haufen.
:ahasoso:

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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 18. März 2014, 23:18

Die Vorgeschichte:
SIGH wurden 1990 in einem kleinen Provinznest namens Tokio in der Besetzung Mirai Kawashima (Gesang und Bass), Satoshi Fujinami (Gitarre) und Kazuki Ozeki (Schlagzeug) gegründet. Noch im selben Jahr spielte man zwei Demotapes ein (das zweite schon wieder ohne Kazuki, der die Band verließ - Satoshi übernahm daraufhin auch die Drums), auf denen man noch recht primitiven Death Metal (!) zockte. Zwar hört man auch auf diesen Demos schon, dass sich die Band um einen eigenen Stil bemühte, aber machen wir es kurz: zu den Highlights der Musikgeschichte gehören sie mit Sicherheit nicht, interessant und charmant sind sie aber dennoch, da einige Songs aus dieser Phase es auch auf die ersten beiden Alben schafften, zuvor aber natürlich ordentlich "verblackt" wurden. Als die Demos released wurden, behauptete die Band übrigens noch, dass sie sich schon 1988 gegründet habe, da man dachte, dass man eine Band, die kurz nach der Gründung bereits Demos veröffentlicht, weniger ernst nehmen würde.
Doch schon bald waren Mirai und Satoshi gelangweilt vom Death Metal, somit wandte man sich einer deutlich radikaleren Musikrichtung zu: dem Black Metal, der sich von Ursuppen-Geprügel der Marke SARCÓFAGO, MAYHEM, HELLHAMMER & Co gerade als eigenständige Stilrichtung zu etablieren begann. Woran erinnert uns das? Richtig: es ging also nicht nur einigen Norwegern so, auch eine kleine Band aus Japan hatte eine ganz ähnliche Einstellung. So entstanden neben umarrangierten Songs der Demos auch neue Songs wie der Klassiker "The Knell". Als erster Vernichtungsschlag im neuen Stil erschien im Jahr 1992 über das Wild Rags Label die 3-Track EP "Requiem For Fools". Primitiver, nihilistischer Black Metal in Reinkultur, nie wieder sollten SIGH so düster, so morbide und so vernichtend klingen als wie auf dieser EP. Ein kleines Meisterwerk.
Mittlerweile konnte mit Shinichi Ishikawa endlich ein fester Gitarrist gefunden werden, sodass auch Live-Shows gespielt werden konnten. Da die drei auch noch fanatische VENOM-Fans waren, fanden auch diverse Klassiker des Chaostrupps aus Newcastle ihren Weg in's Live-Set. Ein Spezl von mir hat die Band in der ersten Hälfte der 90er in München live gesehen, und seiner Erinnerung zufolge bestand damals wohl fast die komplette Setlist aus VENOM-Covers. :lol:

Durch die "Requiem For Fools"-EP wurde auch ein gewisser Euronymous aufmerksam auf SIGH, sodass zwischen Euronymous und Mirai ein reger Brief- und Telefonkontakt entstand. Die Band begann daraufhin mit den Aufnahmen zum ersten Album, welches dann, aufgrund des Mordes an Euronymous jedoch etwas verspätet veröffentlicht wurde:

Scorn Defeat (1993) Deathlike Silence Productions
Bild Bild
Trackliste
1. A Victory Of Dakini 6:50
2. The Knell 4:20
3. At My Funeral 5:43
4. Gundali 5:56
5. Ready For The Final War 9:16
6. Weakness Within 3:07
7. Taste Defeat 7:55


Auch auf "Scorn Defeat" wird klassischer Black Metal geboten, der aber dennoch, auch für ein Debütalbum ein recht hohes Maß an Eigenständigkeit aufweist. Besonders der recht häufige Einsatz des Klaviers ist für ein Black Metal Album von 1993 schon recht ungewöhnlich, möchte ich behaupten. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das wunderschöne Klavieroutro des Stückes "Gundali", das eher ein Zwischenspiel denn ein richtiger Song ist. Musikalisch geht es trotz der experimentellen Ansätze oft noch primitiv (aber definitiv nicht dilettantisch!) zu Werke, aber genau das macht für mich den Reiz aus. Der Sound ist wie es sich gehört ziemlich kalt und abweisend, aber dennoch kraftvoll und klar. Hier braucht man also keine Angst vor dem typischen "Black Metal-Gesäge"-Sound haben, denn den gibt es hier absolut nicht!
In meinem persönlichen SIGH-Ranking liegt "Scorn Defeat" zwar "nur" im guten Mittelfeld, aber das liegt nicht daran, dass das Album mittelmäßig wäre, sondern dass es noch einige Alben der Band gibt, die mir eben noch besser gefallen. In Punkten ausgedrückt wären dies wohl sicher 8,5 von 10.

Ganz in VENOM-Tradition steht auch die Line-Up-Auflistung des Albums:
Mirai: Storming Bass, Chanting, Hateful Harmonies
Shinichi: Electric and Acoustic Genocide
Satoshi: Volcanic Drums and Percussion

:smile2:

Infidel Art (1995) Cacophonous Records
Bild
Trackliste:
1. Izuna 8:16
2. The Zombie Terror 9:42
3. Desolation 8:03
4. The Last Elegy 10:29
5. Suicidogenic 4:45
6. Beyond Centuries 9:38


Zwei Jahre später erschien das zweite Album der Band, das eine deutliche Weiterentwicklung zum Debüt darstellte. Da Mirai Kawashima schon seit seiner Kindheit eine klassische Musikausbildung genoss und, ungefähr zeitgleich mit der Gründung von SIGH, sich auch musiktechnisch intensiver mit klassischer Musik befasste, war es nur eine Frage der Zeit, bis derartige Einflüsse auch in die Musik seiner Band zum Tragen kamen. Auf "Infidel Art" war es also soweit, wobei gleich vorab gesagt sei, dass die klassischen Einflüsse aus der Konserve kommen und nur mittels Klavier und Keyboard erzeugt werden. Wenn man will, könnte man dies als "billig" bezeichnen, was wohl auch nicht ganz gelogen ist, denn die Band ist mittlerweile beim britischen Label Cacophonous Records gelandet, welches sich, gelinde gesagt, einen Dreck um seine Bands gekümmert hat, und keinerlei Kohle für Produktion, geschweige denn Promotion der fertigen Produkte, herausgerückt hat.
Mich haben jedoch Dinge wie Sound und Produktion nie groß interessiert, denn für mich stehen immer SONGS und IDEEN im Mittelpunkt und wenn mich ein Song packt und berührt, dann ist es für mich egal, wie er produziert worden ist - er könnte dann theoretisch auch auf der Blockflöte gespielt und in einer Mülltonne aufgenommen werden - seine Wirkung könnte er bei mir nie verfehlen.
Das war jetzt natürlich bewusst übertrieben - und um den Bogen wieder zurück zu "Infidel Art" zu spannen: die Aufnahmebedingungen waren bei SIGH anno 1995 bestimmt nicht die Besten, wobei ich den Sound trotzdem als angenehm warm empfinde, also ein völliger Kontrast zu "Scorn Defeat" - der herrlich knurrende Bass ist eine Wohltat! Auch musikalisch hat die Band im Vergleich zum Debüt deutlich zugelegt. Und so kommt es, dass "Infidel Art" für mich das drittbeste Album von SIGH ist! Der Wildheit und Primitivität vom Debüt ist ein ambitionierteres Songwriting gewichen, man arbeitet mit langsameren Tempi, die sich zum Ende der (meist überlangen) Songs steigern, und den erwähnten sinfonischen Elementen, die die Songs begleiten und ihnen Tiefe geben.
Hinzu kommt, dass das gesamte Album eine unglaublich dichte, wahnsinnig melancholische Atmosphäre inne hat, die mich unglaublich tief berührt.
"Infidel Art" braucht vielleicht ein paar Durchläufe bis es zündet, da die meisten Songs eher im Midtempo gehalten sind, oft auch mit (schönen, klassischen) Intros, sollte dafür aber umso intensiver einschlagen!

Zum Brüllen sind natürlich auch wieder die VENOM-mäßigen Line-Up-Infos:
Mirai: Hellchants, Thunder Bass and Sinister Orchestrations
Shinichi: Electric and Acoustic Sonic Rape
Satoshi: Earthquake Drums and Percussion

Hervorzuheben ist auch noch das wunderschöne alte japanische Holzschnitt-Motiv auf dem Cover - H-A-M-M-E-R!!!

to be continued...
:ahasoso:

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Re: Sigh

Beitragvon Ohrgasm » 18. März 2014, 23:36

Fein, solche (ganz eigene) Bandberichte sind wertvoller als das meiste andere in einem Forum. Sehr interessant zu lesen, da steht ganz groß Leidenschaft auf meinem Bildschirm. Weiter damit, FDU!!
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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 21. März 2014, 00:07

Zwei Jahre sollte es dauern, bis SIGH ihre nächsten klanglichen Werke auf die Menschheit losließen. Zu Beginn des Jahres 1997 erschien eine EP namens "Ghastly Funeral Theatre", welche mir aber bisher noch nicht bekannt ist, da sie recht selten auftaucht, deswegen gehe ich darauf auch nicht ein. Vielleicht können ja der Ghoul oder der Hugin was drüber erzählen.
Ich besitze hingegen das wohl nicht minder seltene "Funeral Theatre"-Demo, das unter dem Namen MIRAI veröffentlicht wurde und bei dem es sich dabei scheinbar um eine Ideensammlung für diese EP handelt. Kann ich aber aus oben genannten Gründen nicht überprüfen. Das Demo enthält nur atmosphärische Keyboardmusik und ist somit nur für absolute Die-Hard-Fans essentiell. :smile2:

Im Dezember 1997 erschien dann ebenfalls das dritte Full-Lenght-Album:

Hail Horror Hail (1997) Cacophonous Reords
Bild
Trackliste
1. Hail Horror Hail 5:07
2. 42 49 7:43
3. 12 Souls 6:56
4. Burial 1:30
5. The Dead Sing 7:14
6. Invitation To Die 5:17
7. Pathetic 2:21
8. Curse Of Izanagi 6:01
9. Seed Of Eternity 9:19


Und "Hail Horror Hail" unterscheidet sich nun deutlich vom epischen, sinfonischen Black Metal, wie er auf dem Vorgänger "Infidel Art" geboten wurde!
Auf dem Backcover ist auch tatsächlich eine Warnung abgedruckt, dass dieses Album alles andere als gewöhnlichen (Black) Metal enthalte und eher wie ein "Film ohne Bilder" zu verstehen ist. Und als Abschluss noch folgender Satz:

Spoiler: show
Every sound on this album is deliberate and if you find that some parts of the album are strange, it isn't because the music is in itself strange, but because your conscious self is ill-equipped to comprehend the sounds produced on this recording.


Spuckt da etwa jemand große Töne? Aber mitnichten.
"Hail Horror Hail" hat tatsächlich an vielen Stellen etwas von einem Soundtrack. Die Songs haben oft etwas collagenartiges, mit vielen Wechseln, Zwischenspielen und Intermezzi versehen - ganz besonders aus dem Klassik- und Filmmusik-Bereich. Die Orchestrierungen klingen dabei auch wesentlich hochwertiger als auf "Infidel Art". Die eigentliche Musik dazu kann man nunmehr kaum noch als Black Metal bezeichnen - sie ist zwar schon irgendwie räudig und ungeschliffen gespielt, dabei aber doch wesentlich zahmer. Ich bin fast schon versucht, den Stil als "Black Rock" zu bezeichnen. Klingt doof, kommt dem aber irgendwie am nächsten.

Ich muss jedoch sagen, dass mir diese Mischung in den falschen Momenten (diese sind jedoch selten!) manchmal auf die Nerven gehen kann, da die Musik auf "Hail Horror Hail" streckenweise etwas anstrengend wirken kann, wenn man nicht zu 100% Bock auf die Scheibe hat. Hingegen ist mir die Scheibe, als ich sie mir die Tage im Zuge meiner Besprechung des Bandkatalogs wieder ein paarmal angehört hab, wieder ziemlich eingefahren. Sie kann also in den richtigen Momenten auch süchtig machen.

Hier könnte ich mir auch vorstellen, dass der Herr Ulle Gefallen an der Scheibe finden kann, da dem Album ein interessantes, manchmal auch forderndes Konzept dahintersteht. Wobei ich auch bei "In Somniphobia" dachte, das würde dem Ulle gefallen, deswegen lehne ich mich jetzt mal nicht ganz so weit aus dem Fenster. :smile2:

Was fehlt noch? Genau:
Mirai - Torture Ensemble
Shinichi - Warfare Noise
Satoshi - Ritual Rhythm

Kultig finde ich das Bandfoto: während Shinichi und Satoshi ganz böse mit Schwertchen in der Hand posieren, ist Mirai hingegen bewaffnet mit... einer Geige! :yeah:

Scenario IV: Dread Dreams (1999) Cacophonous Records
Bild
Trackliste
1. Diabolic Suicide 7:31
2. Infernal Cries 4:35
3. Black Curse 8:22
4. Iconoclasm In The 4th Desert 7:30
5. In The Mind Of A Lunatic 4:34
6. Severed Ways 8:05
7. Imprisoned 5:17
8. Waltz: Dread Dreams 1:22
9. Divine Graveyard 5:47


Wiederum zwei Jahre später wurde der Nachfolger "Scenario IV: Dread Dreams" eingetütet. Ein heute auch nicht mehr so leicht zu bekommendes Album, da es bisher noch nicht neu aufgelegt wurde. Allerdings bewegen sich die Preise noch im moderaten Bereich.
Musikalisch agiert man wieder deutlich song-orientierter als auf "Hail Horror Hail", während die Musik sich gar nicht mal soo sehr vom Vorgänger unterscheidet. Hart oder böse ist hier rein gar nichts mehr, und würde Mirai nicht nach wie vor mit seinem herrlichen Keiforgan singen, könnte man nie auf die Idee kommen, dass diese Band mal Black Metal gespielt haben soll.
Hinzu kommen diesmal auch leichte 70er-Jahre Einflüsse, neben natürlich der Klassik - auch auf "Scenario IV" sind wieder reichlich toll inszenierte Klassikparts vertreten, inklusive einem waschechten Walzer.
Allein schon der wunderschöne Opener "Diabolic Suicide" mit seinem unglaublich melancholischen Refrain ist fast schon allein das Geld für die Scheibe wert, wobei natürlich auch hier kein schlechter oder schwacher Song enthalten ist. Ulkig ist dann der Song "Black Curse": er beginnt fast schon doomig, schlägt dann aus dem Nichts in einen Slidegitarren-Part um, dann ebenso plötzlich in einen Funkpart, dann wieder der Anfangsteil und gegen Ende gesellt sich auch noch die Klassik dazu. Und das in etwas mehr als 8 Minuten.

Natürlich gab es von dem unglaublich tollen Label Cacophonous Records ganz wie es sich gehört mal wieder absolut null Promotion - es war auch das letzte Album für das Label. Danach sollte es aufwärts gehen!

Metal Fact: Der Text zu "In the Mind of a Lunatic wurde von King Fowley (DECEASED.../OCTOBER 31) geschrieben, der von "Severed Ways" von Killjoy (NECROPHAGIA).

Imaginary Sonicscape (2001) Century Media Records
Bild
Trackliste
1. Corpsecry - Angelfall 6:42
2. Scarlet Dream 5:09
3. Nietzschean Conspiracy 5:23
4. A Sunset Song 6:48
5. Impromptu (Allegro Maestoso) 1:24
6. Dreamsphere (Return To The Chaos) 6:50
7. Voices 7:02 (Bonus)
8. Ecstatic Transformation 5:34
9. Born Condemend Criminal 5:42 (Bonus)
10. Slaughtergarden Suite 10:54
11. Bring Back The Dead 8:21 (längere Version - Bonus)
12. Requiem - Nostalgia 7:58


Es dauerte wieder einmal - tada - 2 Jahre, und die Band veröffentlichte "Imaginary Sonicscape". Im Vergleich zu den beiden Vorgängern war das Album teilweise wieder deutlich härter und auch metallischer, aber das war noch nicht alles: auch die 70er-Einflüsse wurden ausgebaut, dazu ein starker Elektronik-Einfluss (keine Angst: kein Tökkno!), vor allem viele spacige Synthies von Keyboardfetischist Mirai sind zu hören, daneben aber auch einige Schweineorgeln.

Zwar hat das Album natürlich auch die SIGH-typische Melancholie, ist aber dennoch locker, luftig und leicht - für mich ein perfektes Sommeralbum zum Träumen. Auch der Sound ist eine Wucht.
Und da es ohne Klassik natürlich nicht geht, gibt es am Ende wieder eine tolle Hymne in Form von "Requiem - Nostalgia". Beinahe schon übertrieben pathetisch, aber für mich einfach wunderschön und eins meiner Lieblingslieder dieser Band.
Der Bonustrack "Voices" hingegen ist kein Metal, hier experimentiert man mit elektronischer Musik, und das sehr gelungen, wie ich finde.

to be continued...
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Re: Sigh

Beitragvon Acrylator » 21. März 2014, 02:07

Liest sich echt interessant!
Auf die Scheiben bis 1999 bin ich gespannt, die muss ich mir unbedingt mal anhören!
Hab mir eben auch mal wieder die "Imaginary Sonicscape" gegeben.
Außer "Voices" haben darauf ja auch noch "Nietzschean Conspiracy" und "Impromptu (Allegro Maestoso)" nichts mit Metal zu tun, und bei "Slaughtergarden Suite" und "Requiem - Nostalgia" ist der Anteil auch sehr gering.
Ich finde sogar, das selbst alle anderen Songs (bis auf den extremen Gesang) meist eher rockig als metallisch wirken und eben oft sehr fröhlich sind (wird durch den düsteren kurz-vor-Schluss-Part in "Nostalgia" allerdings wieder recht cool gebrochen).
Die Scheibe ist schon nicht uninteressant aber mich nerven da manchmal die Keys (ganz schlimm beim zweiten Stück) und das über weite Strecken sehr einfallslose Schlagzeugspiel (vor allem beim Opener, der mich auch etwas an Children Of Bodom erinnert).
Wenn die beiden Vorgänger düsterer sind, könnte mir das schon gefallen.
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Re: Sigh

Beitragvon birdrich » 21. März 2014, 02:46

Sigh=Sick?
Ich kenne die band schon seit Urzeiten. Hatten herausragende und so lala Momente oder Alben. Sick sind die schon manchmal, aber ich kann da jeden Moment nachvollziehen. Das mag in manchen Ohren unfertig oder abgedreht klingen, aber das ist schon ausgeklügelte und durchdachte Musik.
Habe das alles nur auf Festplatte und heute mal gelauscht, nicht schlecht, und vor allem Musik, die Lust macht, das bis zum Schluss zu hören.
Und die leidenschaftlichen Beiträge von FDU sind auch gut, er scheint ja auf die band zu stehen...nicht die schlechteste Wahl.
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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 21. März 2014, 09:25

Acrylator hat geschrieben:Liest sich echt interessant!
Auf die Scheiben bis 1999 bin ich gespannt, die muss ich mir unbedingt mal anhören!
Hab mir eben auch mal wieder die "Imaginary Sonicscape" gegeben.
Außer "Voices" haben darauf ja auch noch "Nietzschean Conspiracy" und "Impromptu (Allegro Maestoso)" nichts mit Metal zu tun, und bei "Slaughtergarden Suite" und "Requiem - Nostalgia" ist der Anteil auch sehr gering.
Ich finde sogar, das selbst alle anderen Songs (bis auf den extremen Gesang) meist eher rockig als metallisch wirken und eben oft sehr fröhlich sind
(wird durch den düsteren kurz-vor-Schluss-Part in "Nostalgia" allerdings wieder recht cool gebrochen).
Die Scheibe ist schon nicht uninteressant aber mich nerven da manchmal die Keys (ganz schlimm beim zweiten Stück) und das über weite Strecken sehr einfallslose Schlagzeugspiel (vor allem beim Opener, der mich auch etwas an Children Of Bodom erinnert).
Wenn die beiden Vorgänger düsterer sind, könnte mir das schon gefallen.

Das stimmt natürlich, deswegen schrieb ich ja auch "teilweise" und "im Verhältnis zu den Vorgängern", die ja nur sehr wenig bis fast gar keinen Metal enthielten. :wink:
:ahasoso:

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Re: Sigh

Beitragvon Ulle » 21. März 2014, 09:40

Ja, liest sich sehr interessant, ich liebe solche Threads!
Weiter so :smile2:
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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 24. März 2014, 23:33

Gallows Gallery (2005) Candlelight Records
Bild
Trackliste
1. Pale Monument 3:53
2. In A Drowse 3:27
3. The Enlightenment Day 3:33
4. Confession To Be Buried 6:21
5. The Tranquilizer Song 3:20
6. Midnight Sun 3:45
7. Silver Universe 3:51
8. Gavotte Grim 7:27
9. Messiahplan 3:47
10. - 2:12
11. The Tranquilizer Song (David Harrow Mix) (Bonus) 4:02


Niederbaiern, im Spätsommer anno 2012. Es ist der Sonntag nach dem legendären Death Doomed The Age Festival, als sich ein paar verkaterte Gestalten gerade anschickten, die Heimreise anzutreten. Im Auto des Fahrers, einem gewissen Freedom Call-Fan, stöberte ich zwecks Auswahl der musikalischen Beschallung der Fahrt im dort befindlichen CD-Album herum und entdeckte eine Sicherungskopie mit der Aufschrift "SIGH - Gallows Gallery". Gut, dachte ich mir, da ich mich eh schon lange mal mit der Band beschäftigen wollte, leg ich die CD mal in den Schacht rein.
Und was dann aus den Boxen ertönte, das sollte mich total verzaubern...

Was ist das?

Eine total fremdartige, seltsame, aber doch auf völlig unglaubliche Weise total mitreißende Musik schallte mir entgegen und ich wusste bereits nach etwas mehr als einer Minute: das brauche ich unbedingt! So etwas hatte ich noch nie zuvor gehört. Angefangen beim Sound, der total eigenartig und dumpf klingt, über den seltsam verfremdeten Gesang bis hin zu den Songs, die total schräg aber dennoch wunderschön, ja, geradezu hymnisch und dazu noch so unverschämt eingängig, diesbezüglich fast schon Pop (was jedoch absolut nicht negativ gemeint ist!!!) sind, aber immer mit kruden, trotzdem immer nachvollziehbaren Wendungen, Melodien und Gesanglinien versehen sind.

Verdammt, was geht hier ab?

dachte ich mir nur. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus was hier alles gespielt wird. Orgel, Saxophon, Sitar (!), Kehlkopfgesang, narrative Parts, Telefonklingeln, Rückwärtsbotschaften undundund... das kann doch alles gar nicht wahr sein!
Ist es aber. Als ich dann zuhause ankam, war das erste, was ich getan habe, den Laptop angeschmissen und das Teil umgehend bestellt, und ein zweites Album ("Scenes from Hell") gleich dazu. Und recht bald kamen dann auch alle anderen Alben hinzu.

Ja, so war das. "Gallows Gallery" war meine Einstiegsdroge in die wunderbare, vielschichtige Welt dieser japanischen Ausnahmekünstler. Wie schon angedeutet, ist es ein absolut eigenständiges Werk, das wie Musik aus einer anderen Welt klingt. Ich habe bis heute nichts gehört, was auch nur ansatzweise so klingt.
Dieses Album ist, wie seine Vorgänger, eigentlich gar nicht mal soo metal-lastig, auch wenn mittlerweile einige MAIDEN-Vibes (natürlich auf Pilzen, LSD und in der siebten Dimension und so) Einzug gehalten haben. Die Songstrukturen sind wie gesagt recht verschroben, aber dennoch sagenhaft eingängig, unglaublich wie dieser Spagat geschafft wurde. Natürlich wie fast immer bei SIGH in tiefste Melancholie getaucht... Auch ist es das bisher einzige Album, bei dem Mirai nicht seinen üblichen Nebelkrähen-Gesang verwendet, sondern klar, aber dennoch heiser, singt - dazu wurde die Stimme durch einen Vocoder oder was weiß ich verfremdet, was zur Eigen- und Einzigartigkeit des Albums nochmal zusätzlich beiträgt.

Irgendwie merke ich gerade, dass es gar nicht so einfach ist, das, was sich auf "Gallows Gallery" befindet, adäquat in Worte zu fassen, damit sich jemand was darunter vorstellen kann. Vielleicht ist es ja auch am besten, man hört sich das Album an, ohne vorher groß was darüber zu wissen, so wie ich. Und dann gibt es wohl nur "Lieben oder hassen". Einer der Mitfahrer bei eingangs erwähnter Fahrt fand das Album hingegen total schrecklich...

Zwei Fakten noch:
- Mit diesem Album wurden SIGH erstmals zum Quartett. Junichi Harashima wurde ein Jahr zuvor als neuer Drummer verpflichtet, dafür wechselte Satoshi von den Kesseln an den Bass - sodass sich Mirai fortan auf seine 46323 Keyboards konzentrieren konnte.
- Auf "Gallows Gallery" arbeiteten SIGH auch zum ersten Mal mit einer ganzen Reihe an Gastmusikern - so zum Beispiel Killjoy (NECROPHAGIA), Gus G. (FIREWIND) und Metatron (THE MEADS OF ASPHODEL), um nur einige wenige zu nennen.

to be continued...
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Re: Sigh

Beitragvon Ulle » 25. März 2014, 01:06

Immer weiter machen, super :smile2:

Hab mir jetzt grad mal "In a Drowse" angehört, das GG-Cover lässt mich halt einfach nicht los.
Fand den Song auf Anhieb besser als alles von der IS. Meiner Meinung nach klingt das zwar immer noch, als ob Metal + Stilrichtung XY einfach übereinander geklatscht werden oder ein abstrakter Part halt einfach mal irgendwo eingefügt wird, aber die eigenwillige Instrumentierung, der unpoliertere Sound und die weniger süßlichen Melodien machen das für mich viel interessanter.

Ich erwäge evtl. einen Vinylerwerb.

Super, gar nicht mal so günstig :-X/2
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Re: Sigh

Beitragvon Fire Down Under » 28. März 2014, 21:28

Hangman's Hymn - Musikalische Exequien (2007) The End Records
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Trackliste
1. Introitus / Kyrie 4:30
2. Inked In Blood 3:12
3. Me, Devil 3:17
4. Dies Iræ / The Master Malice 5:46
5. The Memories As A Sinner 3:32
6. Death With Dishonor 3:05
7. In Devil's Arms 4:34
8. Overture / Rex Tremendæ / I Saw The World's End 6:06
9. Salvation In Flame / Confutatis 5:08
10. Hangman's Hymn / In Paradisum / Das Ende 5:07


Nach zwölf Jahren und vier kaum bis gar nicht metallischen Alben meldeten sich SIGH nur zwei Jahre nach dem "Gallows Gallery"-Album zurück... mit einem absoluten Brett! Ich habe manchmal die lustige Vorstellung, wie wohl ein zum damaligen Zeitpunkt langjähriger Fan der Band wohl reagiert haben könnte, als ihm zum ersten Mal ohne Vorwarnung der Opener mit der Fanfare am Anfang, gefolgt von derbstem Geprügel entgegenschallte. Dem ein oder anderen wird da bestimmt das Gesicht rausgefallen sein. :lol:
Lange Rede, wenig Sinn - auf "Hangman's Hymn" waren SIGH so brutal und roh wie seit 1993 nicht mehr, wenn nicht sogar noch roher als auf "Scorn Defeat", man prügelt hier herrlich räudigen (Old-School!)-Black Metal, das ganze versehen mit vielen Orchestrierungen (aus der Konserve) und Chören. Großartig finde ich, wie der Kontrast aus deftigem Gehacke und den Klassikeinsprengseln und den damit einhergehenden schönen Melodien herausgearbeitet wurde. Interessant ist auch die Verwendung des Stilmittels der Wiederholung: so hört man immer mal wieder einzelne abgewandelte Passagen und Melodien die man schon in einem anderen Song gehört hat.
Das Album mag weniger ausgeklügelt wirken als andere Werke der Band, ich liebe es aber gerade wegen seiner rotzigen Direktheit so sehr.

Wer die Doku "Global Metal" kennt, der kennt dann sicher auch den "Single-Hit" des Albums ("Me-Devil"), der in der Doku kurz angespielt worden ist (inklusive dem wohl coolsten Statement, dass man überhaupt bringen kann :-D ):
http://www.youtube.com/watch?v=kN_x2kF6pUI

Dann geschah noch etwas.
Als die Band für das Booklet nach Models gesucht hat, bewarb sich eine gewisse Dr. Mikannibal. Die Dame fand dann auch den Weg ins Booklet, und, da sie auch ganz annehmbar "singen" (eher grunzen) und Saxophon spielen kann, wurde sie auch gleich in die Band aufgenommen. Außerdem wurde sie auch zur Lebensabschnittsgefährtin von Mirai. :smile2:

Drei Jahre später erschien dann das für mich alles überstrahlende Opus Magnum der Band...

Scenes From Hell (2010) The End Records
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Trackliste
1. Prelude To The Oracle 4:12
2. L'art De Mourir 4:57
3. The Soul Grave 4:01
4. The Red Funeral 6:56
5. The Summer Funeral 7:08
6. Musica In Tempora Belli 6:01
7. Vanitas 6:26
8. Scenes From Hell 3:35


Hier werde ich mich kurz fassen, da ich mich vor kurzem bereits an anderer Stelle ausführlich über dieses Album ausgelassen habe (wer lesen will, klicke hier ).
Der Stilmix Metal+Klassik ist ähnlich dem Vorgänger, doch nur Unwissende würden behaupten, dass die Alben gleich klingen würden, denn die Herangehensweise ist auf beiden Alben komplett verschieden: erstens wurde nahezu sämtliche Orchestrierungen von Musikern aus Fleisch und Blut eingespielt und zweitens verschmelzen die Klassikparts so homogen mit den Metalanteilen wie ich es bisher noch nie auf einem anderen Album gehört habe, so gleichberechtigt werden hier alle Instrumente behandelt.
Ergebnis ist ein absolut monumentales, bombastisches, episches, aber auch brutales und intensives, wie melancholisches und im Grunde einfach nur unfassbar schönes Werk, das auch gleichzeitig so detailverliebt mit dem Hang zum Perfektionismus KOMPONIERT wurde dass man nur den Hut ziehen kann.

Für mich ganz klar das beste Album von SIGH. <3

In Somniphobia (2012) Candlelight Records
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Trackliste
1. Purgatorium 4:48
2. The Transfiguration Fear 4:51
3. Opening Theme: Lucid Nightmare 1:58
4. Somniphobia 7:34
5. L'excommunication À Minuit 5:38
6. Amnesia 8:10
7. Far Beneath The In-Between 7:10
8. Amongst The Phantoms Of Abandoned Tumbrils 9:31
9. Ending Theme: Continuum 1:42
10. Fall To The Thrall 5:17
11. Equale I) Prelude II) Fugato III) Coda 8:00


Das Album ist eigentlich zweigeteilt: die ersten zwei sowie die letzten zwei Songs sind unverschämt eingängige Welthits (besonders das völlig unfassbare "The Transfiguration Fear" - KEIN Song hat es bisher sonst geschafft, dass ich ihn mir einen ganzen Tag lang (!) in Dauerschleife angehört habe!), der Kern des Albums ist die 7-Track-Mini"oper" "Lucid Nightmares" (5 Songs + In- und Outro): verspielte Kompositionen mit Jazz-, Psychedelik-, Space- und was-weiß-ich-noch-für-Einflüssen, orientalischem Basar-Gedudel (bei "Far Beneath The In-Between" haut's mir jedes Mal den Stopsel raus!), während "Amongst The Phantoms of Abandoned Tumbrils" (welch ein Titel) in ähnlicher Form auch auf "Scenes from Hell" stehen könnte. Besonders speziell sind die immer wiederkehrenden (Alp-)Traumhaften Geräusche-Zwischenspielchen, die unheimlich realistisch sind - wirre, seltsame Sprünge, Wiedeholungen einzelner bizarrer Fragmente (was natürlich in einem Traum einem selber alles völlig logisch erscheint).
Für mich war "In Somniphobia" ein Jahreshighlight 2012 und gehört für mich schon zu den Top-Alben der Band (so wie alle :wink: ).

Hier sei dem werten Leser hoch das äußerst empfehlenswerte Review von unserem Forenraben empfohlen und damit beende ich dann mal vorerst meine Ausführungen. Es soll dieses Jahr ein neues Album mit dem Titel "Graveward" kommen, das von Meister Mirai als "cinematic Horror Metal"-Album angekündigt wird. I am gespannt!

to be continued... (hopefully soon)
:ahasoso:

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